Die Slawen im Vogtland



Zu Ende des 5. und zu Anfang des 6. Jahrhunderts unterlag der „Hermunduringer“ der Slawischen Faust und verlor Freiheit und Grundbesitz. Einzelne Slawischen Stämme wie die Lutizier, die Obotriten, die Milezener und die Sorben setzten sich, aus der Weichsel und Oder gegend kommend, im jetzigen Sachsen fest. Die Namen der Ansiedlungen enden meist mit der Endung itz, owe. awe,o, au oder a.

 

Im Jahre 631 berichtete der fränkische Chronist Fredegar über ein bedeutendes Ereignis an der Ostgrenze des fränkischen Reiches: In Böhmen, Mähren und im mittleren Donaugebiet war im Kampf gegen die Awaren das slawische Großreich des Samo entstanden. Diesem schlossen sich auch Sorben - „die seit alters zum fränkischen Reich gehört hatten“ unter ihrem Fürst (dux) Dervan an. Das ist der erste Bericht über einen Slawischen Stamm in den später deutschen Gebieten.

 

Nach Unterjochung der Sorben durch die Deutschen, soll in der Waldgegend, wo jetzt Adorf liegt ein Ort Namens Haag oder Haindorf entstanden sein, dessen Name sich im Volksmund in Adorf umgewandelt hat. (Der Name Adorf findet sich in der ältesten Urkunde von 1290)

 

Das das Obere Vogtland vor dem Jahre 1000 v. Chr. von Sorben (Wenden) besiedelt war zeugen viele Ortschaftsnamen z.B. Elster, Eubabrunn (Ywenbrunn ), Ebmat, Hetschen, Gunzen, Raun, Salig, Leubetha, Jugelsburg und die Vorstadt von Adorf die Melthau.

 

Der Name Jugelsburg stammt vermutlich von Juel den Sonnengott der Sorben.

 

Die Macht der Sorben ist um das Jahr 930 völlig gebrochen, um 935 wird der erste Graf im ehemaligen Sorbischen Gau Dobenaw mit der Pflege Plawe, Bruno v. Eberstein, und nicht viel später werden als Zwingburgen gegen die Sorben Gatendorf, Sachsgrün, Stein bei Planschwitz, Widersberg, Mühldorf und Elsterberg genannt.

 

Zur selben Zeit entstand der Plaunische Voigtsitz Voigtsberg, zu dem Oelsnitz, Adorf und das Umland bis zur Böhmischen Grenze gehörten.

 

Es ist nicht Ausgeschlossen, das es um dieser Zeit schon kleinere deutsche Ansiedlungen gab, benutzt man den Weg von Adorf nach Arnsgrün führt der selbige über das „Dörfel“, eine Wüstung auf einer fruchtbaren Ackerfläche. Bei der besagten Wüstung ist es sehr auffällig, das über diesen Ort tiefes stillschweigen herscht. Von daher ist anzunehmen das dieser Ort „das Dörfel“ eine der ersten deutschen Siedlungen im oberen Vogtland war. Vermutlich ließen sich seine Bewohner in das neu entstehende Adorf nach und nach nieder.

 

Schlägt man den Weg von Adorf nach Oelsnitz ein so führt dieser in Richtung Döderwein- Todtenwein Tahl, über welchem auf der Höhe am rechten Ufer des gleichnamigen Baches, unweit seiner Mündung in die Elster, das „alte Haus“ stand, eine Ritterburg, von der heute nichts mehr zusehen ist. Im vergangenem Jahrhundert waren noch Trümmer und gut erhaltene Kellerräume zusehen, die durch die Eröffnung eines Steinbruches gänzlich verschwunden sind. An dieser stelle wurden auch Münzen und andere Gegenstände gefunden, die an die Ritterburg erinnern. Ihre Lage, mit dem Blick ins Döderwein und Elstertal, welches letztere sich hier ziemlich verengt, und auch die Straße von Oelsnitz über Adorf nach Böhmen deutet an, das ihre Bestimmung keine unbedeutende gewesen sein kann. Schon im Hussitenkrieg lag dieses „alte Haus“ in Trümmern.

 

Allen Anschein nach ist auch seine Anlage älter, als Haagdorf (Adorf).Um das Jahr 976 fielen die Böhmen verwüstend in das meißnische, osterländische und Vogtländische Gebiet ein, im letzteren bis Weida ein. Sie konnten hier sogar auf Anhang der noch hier vorhandenen Sorben rechnen, daher finden wir im Aschergebiet als Grenzfeste die Burg Reidberg oder Neuberg. Später wurde zu diesem Zwecke die Burg Wintersreuth südlich von Landwüst, das Stammschloß der in Sachsen ansässigen Herren von Landwüst, ferner Schönfeld (bei Adorf) und die Burg auf der Sommerleithe, bei Remtengrün, vorzüglich aber das „alte Haus“entstanden sind.

 Die Vögte von Plauen , waren gerade an dieser stelle genötigt ihre Grenze zu sichern.

 Wahrscheinlich ist die im Dödeweintal vorkommende Burg, das in älteren Urkunden vorkommende „Schloss Adorf“.

 

 

 

Die Familie Reuss im Vogtland

 

 

 Gleich den alten Deutschen, bestand auch die große und mächtige Slawische Nation aus vielen kleinen Völkerschaften oder Volksstämmen. Welche die alten Schriftsteller bis weilen mit dem besonderen Namen der Sorben belegen. Wenn es aber nun sicher ist, das diese Nation nie den Namen Wenden geführt hat, und das derselbe ihr selbst ganz unbekannt gewesen, und ihr nur zur Beschimpfung von den unverständigen und rohen Nationallhasse der Deutschen beigelegt und aufgebürdet wurden, besonders weil sie das Ave -Maria nicht beteten, man sie verächtlich deswegen nur die Winden, (die Hunde), schimplich zu nennen pflegten. So verhält es sich auf dieser Weise auch, wenn ihnen der Name Sorben beigelegt wird, das dieser selbst keines Weges eine Nationalität bezeichnen will und kann, indem das slawische Wort Tzschorne oder Tzschorbe, welches die deutsche Mundart nun in Sorbe verwandelt hat) nicht ein Substantiver, sondern nur ein adjektiver Ausdruck in dieser Sprache ist, der im Deutschen keine andere Idee, als schwarz bezeichnet, und so die Benennung der Sorben nur so viel heißt, als die Schwarzen.

 

Wie die alte deutsche Orthographie, die Rewezen, - w steht für u, und cz für ß gelesen, - sie schreibet, nannten und noch nennet.

 

Bestehe nun dieses aus dem Geist der Sprache selbst, und historisch, als unwiedersprechlich bewiesen, so erhärtet sich daher auch , das, wenn die hier imVogtlande einst wohnenden Slawen, gewöhnlich nur die Sorben, die Schwarzen genannt werden, dieselben also von dem großen Slawischen Volksstamme der Rußen oder Reußen – der Rewczen – und dieses zwar von der Horde der Tzschorne oder Tzschorbe – Reutzen.

 

Dieses aber wird noch mehr bewährt, das diesen ihren allgemeinen und wahrhaft geführten Namen Reußen – Rewczen – sie selbst auch mehern ihrer hiesigen Ansiedlungen beigelegt, und das daher noch stammen Reußa ( wie in alten Urkunden es geschrieben ist Rewcza) und Rewczig (Reussig) beide bei Plauen. Dies legt nahe das, wenigstens die in dieser Gegend einst wohnenden Slawen, nach dem allgemeinen Namen ihres Volksstammes, selbst die Rewczen (Rußen, Graiß (Grewcz, Grouß), wie diese in zwei Urkunden aus den Jahren 1269 und 1288 zu finden sind.

Aus diesem allen ergibt sich, das der Name Rouz, Ruzze, rewcz oder Reuß in diesen Gegenden lange vorher schon existiert hat, ehe er später der Zuname eines Zweiges der hiesigen Herrscherfamilie wurde.